Der unscheinbare Meilenstein der Meeresforschung
Ein Kompasswert markiert den einbillionsten Datensatz: Wie Werum mit Insightics Marine Forschungsdaten bündelt und Meeresforschung unterstützt.
Es ist der 12. Januar 2021, kurz vor halb drei in der Nacht.
Das Forschungsschiff SONNE fährt durch den Nordatlantik, gut 700 Kilometer südwestlich von Irland, auf dem Weg zu den Tiefseebecken zwischen Island und den Azoren. An Bord läuft die Expedition IceDivA.
Diese Fahrt sollte es in dieser Form ursprünglich gar nicht geben. Die Corona-Pandemie hatte den regulären Fahrtplan durcheinandergewirbelt, und aus der abgesagten Reise wurde kurzerhand eine Tiefsee-Expedition zur Erfassung der marinen Artenvielfalt.
In dieser Nacht passiert etwas, das an Bord niemand bemerkt. Um 02:26:40,522 Uhr schreibt der Kreiselkompass der SONNE einen Routinewert weg: Kurs 244,9 Grad, rechtweisend Südwest.
Ein banales Navigationsdatum, wie es an Bord jede Sekunde entsteht. Und doch ist es ein besonderer Datensatz. Es ist der einbillionste, der jemals in Werums System für maritimes Forschungsdatenmanagement Insightics Marine gespeichert wurde.
Der Mehrwert liegt im Umfang der Daten
Man könnte enttäuscht sein. Kein spektakulärer Tiefseefund, keine sensationelle Messung, nur ein einfacher Kompasswert. Gerade deswegen ist er aber ein gutes Beispiel:
Der wissenschaftliche Wert entsteht erst dadurch, dass hunderte Milliarden solcher Werte lückenlos, mit Zeitstempel, Position und Metadaten miteinander verknüpft werden. Auf Forschungsschiffen, Tauchrobotern, Flugzeugen, Bojen und Forschungsstationen fallen die Daten sonst in getrennten, proprietären Systemen an. Sobald sie zusammenkommen, lassen sie sich über Schiffe, Missionen und Jahre hinweg auswerten und werden zur Grundlage für neue Erkenntnisse.
Der Kompasswert der SONNE steht damit stellvertretend für die eigentliche Leistung: Ordnung und Verknüpfbarkeit in großem Maßstab.
Von einer Billion auf 1,46 Billionen
Die Marke von einer Billion Datensätzen fiel mit jenem Januar-Datensatz der SONNE. Seither ist der Bestand kontinuierlich weitergewachsen, mit jeder Expedition der deutschen Forschungsflotte.
Stand 3. November 2026 verwaltet das System über 1,46 Billionen Sensordatensätze, exakt 1.464.051.539.180.
Ein großer Teil dieses Bestands stammt aus der Vergangenheit. Mit Insightics Marine hat Werum die bisherigen DSHIP-Archive mehrerer Institute abgelöst und deren kompletten Datenbestand in die neue Plattform migriert. Aus vielen getrennten Einzelarchiven wurde so eine gemeinsame, durchsuchbare Datenbasis.
Die qualitätsgesicherte, langfristige Publikation einzelner wissenschaftlicher Datensätze erfolgt weiterhin in etablierten Repositorien wie PANGAEA. Die zentrale, verknüpfbare Zusammenführung der Rohdaten leistet Werums Data Hub.
Mehrwert für die Forschung
Einrichtungen wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI), das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), gemeinsam in der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) organisiert, erheben mit hohem Aufwand wertvolle Daten. Jeder Schiffstag ist teuer, jede Messung einmalig. Umso wichtiger ist, dass diese Daten auffindbar, zugänglich und auswertbar bleiben und nicht in isolierten Systemen verschwinden und nur mit technischem Detailwissen wieder gefunden werden können.
Genau hier setzt Insightics Marine an. Bei mehreren dieser Institute hat Werum die bestehenden DSHIP-Archive durch sein hochskalierbares Insightics Marine ersetzt und die separaten Datenbestände vollständig in einem Cluster zusammengeführt.
Insightics Marine bietet eine skalierbare Datenhaltung für strukturierte und unstrukturierte Daten, löst proprietäre Systemgrenzen auf, bietet clusterseitige Datenprozessierung und ermöglicht interaktiven Zugriff über eine abgesicherte SQL-API und Tools wie JupyterLab. So werden Auswertungen möglich, die bislang an den getrennten Datentöpfen und der enormen Datenmenge scheiterten.
Über den integrierten KI-Assistenten lassen sich komplexe Fragestellungen in natürlicher Sprache formulieren und passende Abfragen für den Insightics Data Lake erstellen.
Mehr als eine Billion Datensätze zeigen, dass dies auch im Maßstab der deutschen Forschungsflotte funktioniert.
Der einbillionste Datensatz war ein Kompasswert mitten im Atlantik. Der nächste Meilenstein kommt bestimmt, irgendwo zwischen Arktis und Südpazifik, auf einem Schiff, das gerade Daten sammelt.